Mallorca fernab vom Ballermann

Mallorca, die Schöne, die weitgehend Unbekannte

MallorcaEs gehört richtiggehend Mut dazu, zuzugeben, dass man auf Mallorca Urlaub machen wird. Das habe ich selbst erfahren. Ja, man sucht fast nach Entschuldigungen, nach Rechtfertigungen, wenn man auf dieser traumhaft schönen Balearen-Insel einige Tage ausspannen will. Wie gesagt, mir selbst ist es so ergangen. Ich habe zugegeben, Mallorca gebucht zu haben, als ob eine Schuld einzugestehen wäre. Und die Reaktionen der Kollegen waren auch entsprechend: „So so, Mallorca also“. Die anderen tauschten viel sagende Blicke aus; mir war sofort bewusst, dass meine Kolleginnen überhaupt nichts über das bezaubernde Mallorca wussten, das in Ruhe, Gelassenheit und Würde auf anspruchsvolle Urlauber wartet; fernab vom Ballermann, von El Arenal mit Sauerkraut, deutschem Bier und dicht gedrängten Hotels begrüßt ein atemberaubend schönes und ursprüngliches Mallorca die Besucher, die tatsächlich Land bzw. Insel und Leute kennenlernen wollen.


Ein lang gehegter Traum. „Meine Finca“ auf Mallorca, nahe Soller

Sie kennen es, das gute Gefühl, alles richtig gemacht zu haben. Für eine bezaubernde Finca im Nordwesten Mallorcas hatten wir uns entschieden. Ich hatte mich gut informiert. Die Lage Sollers war für uns einfach nur ideal, sie war traumhaft. Strand und Meer sind nah. Die Steilhänge der Serra Tramuntana sorgen dafür, dass ständig eine kühle aber sanfte Brise weht. Bei allem Komfort ist irgendwann im 19. Jahrhundert die Zeit stehen geblieben. Die herrlichen alten Bäume rund um den Marktplatz werden gehegt und gepflegt. Genauso hatte ich es mir erträumt: ein romantischer Ort, der seine Ursprünglichkeit gewahrt hat, eine imposante Berglandschaft und die Nähe zum Meer, Strände, an denen kein Gefühl von Platzangst aufkommt.

Ja, diesmal hatte ich die richtige Entscheidung getroffen. Das spürten wir ganz deutlich schon bei der Überfahrt von Palma nach Soller. Mit dem „roten Blitz“, einer Schmalspurbahn aus dem Jahre 1912, wurden wir komfortabel in unseren Urlaubsort gebracht. Und es sollte noch romantischer werden: in den offenen Waggons einer uralten Straßenbahn näherten wir uns gemächlich unserem Feriendomizil. Die roten Wagen der Straßenbahn bieten einen ständigen Pendlerverkehr zwischen dem Ort und seinem kleinen Hafen Port de Soller. Es ist gerade der Zauber der Gemächlichkeit, der Soller und seine herrlich ursprüngliche Umgebung ausmacht. Was für ein hinreißender Ort. Ich wollte ja überwiegend selbst kochen in unserer Finca. Gerade dort, in dem kleinen Geschäft, wollte ich einmal einkaufen gehen. Und montags bis samstags konnte man ja immer fangfrischen Fisch in der Markthalle besorgen. Ja, genauso hatte ich es erträumt: viel frischen Fisch sollte es geben, und das nur einen Spaziergang von unserer Finca entfernt. Aber heute, am Tag der Anreise, wollten wir Essen gehen. Schon im Vorbeifahren hatte ich mir ein kleines Restaurant ausgesucht. Die Paella, die dort nahe der Placa Merca serviert wurde, sah einfach zu gut aus. Sie haben recht, ich gerate jetzt mehr und mehr ins Schwärmen. Und wir haben von Soller, von unserer Finca ausgehend, ja noch viele andere bezaubernde Plätze und Orte gesucht und gefunden. Ein Cabrio wollten wir mieten, um das Landesinnere zu erkunden. Ja, und einen Segeltörn entlang der Nordwest-Küste hatten wir uns auch vorgenommen.


Das Landesinnere ruft. Auf den Spuren der Mauren

Der erste Ausflug in unserem schicken Miet-Cabrio sollte uns noch nicht aus der Tramuntana herausführen. Für den kleinen Ort Bunyola wollte ich mir sehr viel Zeit nehmen. Von Soller aus ging es also etwas weiter nach Westen ein wenig mehr in das Landesinnere hinein. Der Ort ist ein wahres Mekka für Gartenliebhaber; ich für meinen Teil habe erst einmal lange schweigend die herrlichen Anlagen auf mich wirken lassen. Bunyola ist ein unglaublich beeindruckendes Beispiel maurischer Gartenbaukunst in Verbindung mit äußerst intelligenter Bewässerung. Es war gut, hierher zu fahren.

Über den berühmten Malvasier-Wein hatte ich etwas gelesen. Leider wird er heute wohl aus Kostengründen nicht mehr angebaut, aber die exzellente Rebsorte hat den Ort Banyalbufar berühmt gemacht. Nach Banyalbufar zog es mich also jetzt. Was für eine traumhafte Fahrt durch eine atemberaubend schöne Landschaft. Im Südwesten liegt das ebenfalls stark maurisch geprägte Banyalbufar am Meer. Auch hier wird sie wieder deutlich, die Genialität der Mauren bei der Anlage ertragreicher Gärten mit ausgeklügelter Bewässerung. Dafür stehen die maurischen Terrassen, deren Trockenmauern mit ihren Wasserbecken das kostbare Wasser speicherten. Was für eine Hochkultur. Ich war zufrieden und glücklich, aber auch ein wenig müde. Wir wollten jetzt in den Abend hinein gemächlich zurück nach Soller fahren. Jetzt hatte ich nur noch den einen Wunsch: auf der Terrasse unserer Finca den Fisch zu grillen, den ich am Morgen gekauft hatte.

Binissalem, die Hauptstadt des Weines

Hier im nord- und südwestlichen Teil Mallorcas musste ich mich beeilen, mir all meine Wünsche zu erfüllen. Wirklich guten Wein wollten wir genießen während der kostbaren Tage auf Mallorca. Also war Binissalem eines der nächsten Ziele. Auf einer unserer nächsten Erkundungsfahren haben wir uns in der „Hauptstadt des Weines auf Mallorca“ allerbestens eingedeckt.

Wie angenehm still es doch in diesem Teil Mallorcas war. Die unglaubliche Herzlichkeit der bodenständigen Menschen war geradezu greifbar. Und gerade deshalb wollte ich auch das kleine Städtchen Lloseta erleben. Der im nordwestlichen Landesinneren gelegene Ort ist für sein herrliches Kunsthandwerk bekannt. Ja, und einmal in die Orangenhaine hinein zu gehen, das hatte ich mir vorgenommen. Vor einem der schönen Anwesen saß ein älteres Ehepaar auf einer Bank. Wir sind ausgestiegen, und sofort haben die beiden uns einen Platz neben ihnen angeboten. Ja, selbstverständlich wollten sie gerne mit mir durch ihren Orangenhain gehen. Was für wertvolle Augenblicke, die einem vergönnt sind, wenn man den Touristen-Rummel hinter sich lässt.


Leinen los!

Ein ganzer Tag auf dem Meer; ein wahr gewordener Traum. Wir haben rechtzeitig gebucht, und da lag er vor uns, der schöne Segler. Nur wir, der Skipper und eine Traumroute entlang der Nordwestküste Mallorcas. Krönender kann ein Abschluss kaum sein.

Alles, was ich mir vorgenommen hatte zu erkunden, konnte ich diesmal nicht sehen. Aber der zauberhafte Ort Soller soll wieder unser Urlaubsziel und der Ausgangspunkt für unsere Tagesfahrten sein. Meine Ziele für den kommenden Urlaub im Nordwesten Spaniens stehen schon fest: ich freue mich auf den Künstlerort Deià mit seiner Felsenküste; es soll einfach bezaubernd sein in Deià mit seinem Bach, der durch den Ort fließt, mit seinen schönen alten Häusern. Es gibt so unendlich viel zu entdecken in diesem Teil des bezaubernd schönen Mallorca.

Der Abschied von Soller und vom gesamten Nordwesten Mallorcas ist schwer gefallen. Aber mein „letzter Wunsch“ ist mir erfüllt worden. Wir haben „unsere“ Finca für das kommende Jahr wieder gemietet. Die Liste der Ausflüge, die wir machen wollen, ist lang. Aber das nächste Mal werden wir ja auch eine ganze Woche länger im 17. Bundesland Spaniens sein. Aber ich weiß es jetzt schon: auch drei Wochen sind zu wenig, um den ganzen Zauber des ursprünglichen Mallorca in sich aufzunehmen.

Wieder zurück in Deutschland, im Büro: an der Pinwand sehe ich meine Ansichtskarte aus dem romantischen Soller. Offensichtlich haben die Kollegen nachgesehen, wo denn dieses Soller auf Mallorca eigentlich liegt. Es war ihnen klar geworden, dass man mir keine Fragen über den „Ballermann“ stellen konnte.

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