2 Tage nach Bozen, mehr als ein Skiwochenende

Marktplatz mit Brunnen und Kirche in Bozen

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Wo steht eigentlich geschrieben, dass Südtirol, im Besonderen Bozen, nur im Winter eine Reise wert ist? Die Landeshauptstadt Südtirols ist so viel mehr als Loipe, Neuschnee und Après Ski und wird als Urlaubsregion, vor allen Dingen für Kurzreisen sehr unterschätzt. Die Stadt im Alpenbogen ist eine wichtige wirtschaftliche und kulturelle Verbindung im Dreiländer-Eck Italien, Österreich und Deutschland. Während viele Urlauber nur auf der Durchreise in Bozen halten, um Einkaufen zu gehen. Dabei ist gerade die Entwicklung und das Wachstum der Stadt einen näheren Blick und einen längeren Aufenthalt wert. Bozen und die Landschaft Südtirols laden zu jeder Jahreszeit ein. Im Frühjahr lockt die Baum- und Obstblüte, die der gesamten Natur der Region einen unvergleichlichen Glanz und eine besondere Romantik verleiht.

Wanderer lieben Bozen als Ausgangspunkt ihrer Touren in den Sommermonaten und im Herbst lädt die Stadt zum Törggelen ein. Törggelen ist ein uralter Südtiroler Brauch und findet immer zur Weinlese statt. Eine typische Törggele-Mahlzeit, die niemals alleine, sondern stets in charmanter und geselliger Begleitung genossen wird, besteht aus Siaße, dem Traubenmost aus den ersten Tagen der Gärung und Nuiere, junge Weine. Dazu werden geröstete Kastanien, die beliebten Keschtn und oder Nüsse gereicht. Je nach Lokalität erhält der Tourist auch süße Krapfen als Grundlage. Wer es weniger süß und eher deftig mag zum lieblichen Wein kann natürlich auch die gute Südtiroler Hausmannskost dazu genießen. Im Winter geht selbstverständlich nichts über einen gepflegten Skiurlaub in Südtirol.

Natürlich lädt die Stadt in erster Linie zum Bummeln ein. Die Altstadt mit ihren kleinen verwinkelten Gassen übt einen besonderen Reiz aus. Überall gibt es etwas zu entdecken und wer sich Zeit nimmt, wird sich schnell verlieben, in die kleine Stadt der idyllischen Hinterhöfe und Innenhöfe, die durch romantische Laubengänge miteinander verbunden sind. Die Lauben mit ihren schmiedeeisernen Wappen, wohl dekorierten Schaufenstern und antiken Vitrinen sind die Wahrzeichen Bozens. Wer hier bummelt, hat es schwer, sich wieder zu trennen. Mit etwas Zeit im Gepäck lohnt es sich, in einem der wunderschönen Cafés einzukehren und das rege Treiben in Ruhe zu betrachten. Entstanden sind die Lauben im 12. Jahrhundert. Damals sollten sie die Menschen für den Handel nach Bozen locken. Unter den Laubengängen wurden alle verfügbaren Waren und Güter feilgeboten und an dieser Tradition hat sich bis heute nicht viel geändert. Einzig die Waren und Güter sind moderner. Die Innenhöfe dienten als Lichthöfe und ein Großteil der Gebäude tief unterkellert. Bis zu vier Stockwerken kann es mitunter hinabgehen, in dunkle Gewölbe, in denen früher Waren und Lebensmittel gelagert und eingekellert wurden. Eine eigene Welt zieht sich oberhalb und unterhalb der Erde durch die Altstadt Bozen und zum Teil sind die einzelnen Keller so miteinander verbunden, dass sie unterirdisch wie oberirdisch ans Ziel führen.

Von den bezaubernden Lauben gelangt der Urlauber direkt zum nächsten Wahrzeichen der Stadt, dem legendären Obstmarkt mit seinem ganz besonderen Charme. Liebhaber behaupten, es gäbe nichts Beruhigenderes als sich mit einem Cappuccino an den Markt zu setzen und den regen Handel und das freundliche und fröhliche Treiben zu beobachten.

Über den Markt gelangt der Urlauber in wenigen Gehminuten zum Waltherplatz. Er ist bekannt für die prächtige Bozener Pfarrkirche. Seinen Namen erhielt der Platz von dem Minnesänger Walther von der Vogelheide. Ein absolutes Muss in Bozen ist der Besuch des Archäologie-Museums in der gleichnamigen Straße. Hier liegt er, hier kann er ausgiebig betrachtet und bestaunt werden, die berühmte Mumie des Ötzi. Zum Abschied gibt eine Kugel Ötzi-Eis aus der Eisdiele gegenüber an der Talferbrücke. Diese wohlschmeckende Kreation aus Vanilleeis mit Rosinen und ebenso geheimnisvollen Zutaten, wie sie sich um die Geschichte des Ötzis ranken, runden den Besuch bei der Mumie ab.

Die Talferbrücke führt zur Wasserpromenade und der schönsten Aussicht Bozens. Umringt von Weinreben erstrahlt die Maretsch Burg mit ihrem Romantik-Rosen-Garten, der in der Blütezeit hell- und zartrosa weit strahlt.

Die Gasse der Wirtshäuser ist die Bindergasse. Wer hier einkehrt, sollte Zeit haben, oder die notwendige Disziplin dann aufzuhören, wenn es am Schönsten ist. Sowohl die berühmten südtiroler Weine werden es dem Gast antun, als auch die typische Küche Südtirols. Ob Äpflkiachln, Bockans, Buchtln, Erdäpflblattlan, Greaschtl, die sensationelle Kaminwurzn, die berühmten Marillnknedl oder der deftige Schöpsans oder das Selchkaree, die Gaststätten und Lokale bieten Süßmäulchen und Liebhabern des Herzhaften gleichermaßen kulinarische Genüsse.

Bozen aus der Vogelperspektive kann sich der Urlauber über die Kabelbahn verschaffen. Sie fährt hinauf zum Ritten oder Solten und bietet bei guter Sicht einen weiten Blick über das gesamte Etschtal. Oben auf dem Ritten, in 1200 Metern Höhe verzaubert die Gemeinde Ritten mit den traditionellen Stadtteilen Oberbozen, Klobenstein und Wolfsgruben.

Für Geologen ist der Ritten mit seinen Erdpyramiden, Pfählen aus eiszeitlichem Moränenschutt, sehr interessant. Diese Erdpyramiden sind ein wertvolles Naturdenkmal für die Region.

Bleibt festzustellen, dass Bozen weitaus mehr ist, als ein Ort auf dem Weg in den Urlaub. Hier lohnt sich ein Kurzurlaub wie ein längerer Aufenthalt und verspricht Ruhe, Erholung und jede Menge Natur.

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